Liese.

Ratgeber · RSa & RSb

RSa- und RSb-Brief verstehen

Ein Brief mit blauem oder rotem Streifen liegt im Postkasten, oder du findest nur eine gelbe Verständigung. RSa und RSb sind Briefe von Behörden und Gerichten mit Zustellnachweis. Das Wichtigste vorweg: Mit so einem Brief beginnt fast immer eine Frist, und sie kann schon laufen, bevor du den Brief überhaupt in der Hand hältst.

Das Wichtigste in Kürze

Was ein RSa- oder RSb-Brief ist

RSa und RSb sind keine gewöhnlichen Briefe, sondern Sendungen mit Zustellnachweis, im Amtsdeutsch „Rückscheinbrief“. Behörden und Gerichte schicken damit wichtige Schriftstücke, bei denen es darauf ankommt, dass und wann du sie bekommst, zum Beispiel einen Bescheid, eine Ladung oder einen Zahlungsbefehl. Den farbigen Streifen am Kuvert kannst du als Signal lesen: Das ist amtlich, und sehr wahrscheinlich beginnt jetzt eine Frist.

RSa: blauer Streifen, nur an dich

Der RSa-Brief, oft „blauer Brief“ genannt, darf nur dir selbst übergeben werden („zu eigenen Handen“, eigenhändig). Ein Mitbewohner oder Nachbar kann ihn nicht für dich annehmen. Nur wer eine Postvollmacht hat, darf ihn in bestimmten Fällen übernehmen. So stellt die Behörde sicher, dass wirklich du das Schriftstück erhältst.

RSb: roter Streifen, auch an Mitbewohner

Der RSb-Brief hat ebenfalls einen Zustellnachweis, darf aber auch an einen Ersatzempfänger übergeben werden, etwa an eine Person, die mit dir im selben Haushalt wohnt, oder am Arbeitsplatz an Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Nimmt jemand für dich an, gilt der Brief trotzdem als dir zugestellt.

Der wichtigste Punkt: die Hinterlegung

Wirst du nicht angetroffen (beim RSa) oder ist niemand zum Annehmen da (beim RSb), wird der Brief beim zuständigen Postamt oder bei der Behörde hinterlegt. In deinen Postkasten kommt eine Verständigung, die gelbe Hinterlegungsanzeige. Darauf steht, wo du den Brief abholen kannst und ab welchem Tag er zur Abholung bereitliegt.

Die Frist läuft ab HinterlegungMit dem ersten Tag der Abholfrist gilt der Brief rechtlich als zugestellt, auch wenn du ihn erst später oder gar nicht abholst. Das nennt sich Zustellfiktion. Eine Frist im Brief, etwa für eine Beschwerde, beginnt also an diesem Tag, nicht erst, wenn du ihn liest.

Die Abholfrist steht auf der Verständigung und beträgt in der Regel zwei Wochen. Genau hier passiert der häufigste, teure Fehler: Wer im Urlaub ist oder die gelbe Verständigung übersieht, denkt, es sei nichts passiert, dabei läuft die Frist längst.

Ausnahme: Du warst nachweislich abwesend

Warst du in dieser Zeit ortsabwesend, also gar nicht an deiner Adresse, und konntest deshalb nicht rechtzeitig von der Hinterlegung erfahren, gilt der Brief nicht schon mit dem ersten Tag als zugestellt, sondern erst, wenn du zurückkommst. Das kann eine verpasste Frist retten. Wichtig: Du musst die Abwesenheit belegen können. Im Zweifel hilft dir die Arbeiterkammer oder ein Anwalt.

Was du tun kannst

TippWenn du länger weg bist, regle deine behördliche Post vorher, zum Beispiel mit einer Postvollmacht für eine Vertrauensperson. So bleibt keine Frist unbemerkt liegen.

Blauer Brief im Postkasten und Sorge, was drinsteht?

Foto machen, und Liese erklärt dir in einfacher Sprache, was die Behörde will, welche Frist gilt und was du tun kannst. Fristen kannst du dir direkt in den Kalender legen, mit Erinnerung. Kostenlos in der Beta.

Liese kostenlos testen

Häufige Fragen

Was bedeutet ein RSa-Brief?

Ein RSa-Brief ist ein Behördenbrief mit Zustellnachweis, der nur dir persönlich übergeben werden darf (zu eigenen Handen). Der blaue Streifen am Kuvert ist das Erkennungszeichen. Wirst du nicht angetroffen, wird er hinterlegt, und mit dem ersten Tag der Abholfrist gilt er als zugestellt.

Was ist der Unterschied zwischen RSa und RSb?

Beide sind Behördenbriefe mit Zustellnachweis. Der RSa-Brief (blauer Streifen) darf nur dir selbst übergeben werden. Der RSb-Brief (roter Streifen) darf auch ein Ersatzempfänger annehmen, zum Beispiel eine Person aus deinem Haushalt. In beiden Fällen läuft ab Zustellung eine Frist.

Ab wann läuft die Frist bei einem hinterlegten Brief?

Wird der Brief hinterlegt, gilt er mit dem ersten Tag der Abholfrist als zugestellt, auch wenn du ihn später oder gar nicht abholst. Das nennt sich Zustellfiktion. Ab diesem Tag läuft die Frist. Die Abholfrist steht auf der Verständigung und beträgt in der Regel zwei Wochen.

Was passiert, wenn ich den Brief nicht abhole?

Das Nichtabholen ändert nichts: Der Brief gilt trotzdem als zugestellt und die Frist läuft. Verpasst du dadurch eine Frist, kann ein Bescheid rechtskräftig werden. Warst du nachweislich ortsabwesend, kann die Zustellung erst mit deiner Rückkehr wirksam werden, das musst du aber belegen können.

Weiter im Ratgeber: Amtsdeutsch-Glossar · Mahnung: was tun · alle Behörden

Quellen

Liese gibt dir einen ersten Überblick. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Zustellregeln können im Einzelfall abweichen.